Persönliche Gedanken zum leidigen Geld

<< Was sich DIE verlangen trauen für so einen Hund! Das muss doch billiger gehen!>>

 

Damit sind Trainer im Allgemeinen gemeint, keine bestimmte Schule. Nicht nur einmal kommt einem so etwas unter, wenn man in einschlägigen Gruppen mitliest. Ich sollte als ganz kleiner Fisch in einem ganz großen Haibecken wahrscheinlich ganz ganz still sein. Trotzdem möchte ich ein paar Gedanken dazu niederschreiben.

 

Assistenzhundetrainer die einen Welpen in Fremdausbildung ausbilden, also ins Haus, in die Familie holen, die machen das natürlich aus Leidenschaft. Wir müssen nämlich selbstständig (selbst und ständig) auf diesen Welpen Acht geben. Die ersten Monate praktisch alle Unternehmungen komplett einstellen, die mit einem Welpen nicht möglich sind. Vom Schwimmbadbesuch bis zum Kino am Abend. Selbst ein Spielplatzbesuch mit den eigenen Kindern wird zur Trainingseinheit, bei der man mehr auf den Hund achten muss als auf die Kinder. Man geht nachts mit dem Hund raus, wenn der noch nicht so lange aushalten kann, oder sich gerade etwas eingefangen hat und vorne oder hinten undicht ist… Wir nehmen Rücksicht auf Aktivitäts- und Ruhephasen, eben auf alle Bedürfnisse des Welpen, deligieren Einkaufen im Hochsommer mal eben an den armen Gatten, weil im Auto bleiben zu heiß und zuhause bleiben noch zu lange wäre. Wir gehen im Schnitt mehrmals täglich Gassi, bürsten, füttern, streicheln, trainieren übrigens auch am Wochenende und an Feiertagen und achten permanent darauf, was der noch junge Hund gerade wieder anstellt. Freie Tage gibt es nicht. Selbstverständlich macht so ein Hund auch Dreck, also ist auch mehr zu Putzen und zu waschen. An Silvester feiern wir nicht mit Freunden, sondern dichten die Räume bestmöglich gegen Schall ab und bleiben zuhause beim Vierbeiner. Natürlich stehen wir auch gerne für Interessenten und bereits zusammengeschulte Teams zur Verfügung und nehmen uns Zeit für Gespräche aller Art. Wir machen Videos vom Training, analysieren diese, schicken sie vielleicht den zukünftigen Besitzern. Dazu sind Assistenzhundetrainer wie ich auch Gewerbebetriebe aus Sicht des Finanzamt und machen ihre Buchhaltung und müssen Steuern und ggf Sozialversicherung zahlen.

 

(Ironie an) Wahrscheinlich sind Assistenzhundewelpen ganz anders als andere Welpen und würden nie Dinge anknabbern, ins Haus pinkeln, die Kinder anspringen, nach der Bürste schnappen, die Katze anbellen, an der Leine ziehen, den Rückruf ignorieren, Schmetterlinge jagen und kommen bereits umweltsicher sowie gut sozialisiert auf die Welt und laufen daher nebenbei, ohne dass man viel tun muss. (Ironie aus) Als Assistenzhundetrainer tut man alles, damit der Hund im Laufe der ZEIT LERNT, wie man sich als braver Hund zu benehmen hat, was erwünscht ist und was nicht, aber das erfordert unsererseits 24 Stunden Bereitschaftsdienst, viel Geduld und liebevolle Konsequenz. Es kostet einfach enorm viel Energie und Zeit.

 

Wenn der Hund dann mit 12 Monaten den Gesundheitscheck nicht besteht, aus welchem Grund auch immer, bekommt der Trainer…?? Richtig! In der Regel (fast) Nichts!

 

Wenn der Hund die Untersuchung besteht, und dann zB. aufgrund höherer Gewalt ausfällt/stirbt bevor Spendengelder geflossen sind bekommt der Trainer…?? Richtig! In der Regel auch nichts! Das sind dann mal eben mehr als 1,5 Jahre Arbeit UMSONST.

 

Dazu gehört gesagt, dass die öffentliche Hand und viele Privatsponsoren tatsächlich erst bezahlen, nachdem die TEAMprüfung bestanden ist. Das heißt der Hund ist längst nicht mehr bei der Hundeschule. Da vergehen Monate von Abgabe des Hundes bis zur Bezahlung. Das ist als würde man ein Auto kaufen, und erst nach einem Jahr bezahlen, aber auch nur, wenn es keinen Unfall gab. Würde man das von einem Autohersteller verlangen? Natürlich nicht.

 

Okay es ist eine schwierige Sache mit den Assistenzhunden. Man weiß eben beim Welpen nicht was bei der Gesundenuntersuchung rauskommt, trotz sorgfältigster Aufzucht. Und dass die Teamprüfung sowas wie ein Qualitätskriterium für Sponsoren ist, kann ich durchaus verstehen. Trotzdem ist es, sorry wenn ich das so sage, eine Frechheit, dass die Trainer immer so selbstverständlich das gesamte Risiko tragen sollen. Nämlich auch für eine Zeit, wo man den Hund selbst gar nicht mehr bei sich hat. Würde man dieses Risiko tatsächlich in die Preise hinein rechnen, wären wir nicht bei den Preisen die jetzt üblich sind, sondern bei viel mehr. Ich kenne keine andere Branche, keine anderen Unternehmer, wo 2 Jahre gearbeitet wird, nicht wissend, ob man je Geld sieht.

 

Rechnen wir mal gemeinsam.
Nehmen wir mal einen 20 Monate alten Hund her, denn mit 1,5 Jahren kann man frühestens die Qualitätsprüfung machen. Sagen wir ein Servicehund um € 20.000,-. Boah was für ein Batzen Geld.

 

Oder?

 

€ 20.000,-

abzgl 20% Ust die der Trainer ans Finanzamt abtritt

= € 16.666,-

 

Abzgl. € 1.500,- Welpenkauf vom Züchter

= € 15.166,-

 

Abzgl. Gesundenuntersuchung mit 12 Monaten ca. € 1.300,-

= € 13.866,-

 

Abzgl. Tierarzt für Flohprophylaxe, Entwurmung, Impfung, vllt mal ne Schramme oder mal ne Bindehautentzündung,, wenn man Glück hat in den 20 Monaten nur Hausnummer € 500,-

= € 13.366,-

 

Abzgl. Kilometer in Städte, zu Bahnhöfen, in Einkaufszentren, zu Hundezonen, zum Hundeplatz, zum Treffen mit Spielpartnern, zum Hundebedarfsgeschäft, zum Tierarzt, zur Prüfungsvorbereitung, zur Zusammenschulung, zu Treffen mit potenziellen Bewerbern… das ist bei jeder Schule anders… ich wohne halt in der Pampa da sind es schnell 15.000 Kilometer im Jahr… aber nehmen wir mal nur 10.000 Kilometer. Gesetzlich € 0,42 … weil wir so sozial sind, reden wir über die reinen Fahrtzeiten eh nicht.

= € 9.166,-

 

Abzgl. Geringwertiger Wirtschaftsgüter… Leinen, Halsbänder, Kenndecken, Hundebetten, Boxen… und ja, Hundeschulen haben üblicherweise einiges davon und können es vielleicht längere Zeit benutzen, vieles wird aber leider nur einen Welpen überleben oder nutzt sich mit der Zeit ab. Weil wir so sozial sind, rechne ich jetzt nicht, dass man vielleicht auch Geräte für den eigenen Hundeplatz oder zumindest Garten kauft, einen Zaun oder ein größeres Auto wegen der Hunde usw… Was braucht man so an Zeug? Rechnen wir mal nur mit 1 Kenndecke, 1 Halsband, 1 Leine und 1 Bett pro Hund. Tatsächlich kriegt das meiste davon bei mir der neue Besitzer mit dem Hund dazu. Lassen wir mal das Risiko, dass Möbel oder anderer Besitz Schaden nehmen außen vor, da hat dann der Trainer schließlich nicht aufgepasst und ist selbst Schuld. Rund 200 Euro also:

= € 8.966,-

 

Abzgl. Futter und auch da gibt es von - bis. Meine fressen, weil ich ja auf bestmögliche Gesundheitsergebnis mit 12 Monaten hoffe, sehr hochwertig und daher teuer. Besonders Leckerlis unterschätzt man… Ich setze € 100,- im Monat an. Damit komme ich bei meinen Junghunden tatsächlich NICHT aus.

= € 6.966,-  

 

 

Rechnen wir zu Ende… Ich nehme im ersten Hundejahr in anderen Hundeschulen auch an Kursen teil, weil ich an meinem Wohnort keine Hundebegegnungen üben kann (1.200,-... aber da bin ich möglicherweise eine Ausnahme, also sagen wir 0,-), Vereinsbeiträge (150,-), Lizenzgebühr für den tierschutzqualifizierten Hundetrainer (auf 20 Monate gerechnet 200,-), Büro/Toner (pauschal 150,-), Steuerberater (auf 20 Monate gerechnet 750,-), Homepage (100,-), Internet (280,- Firmenanteil auf 20 Monate gerechnet). Fortbildung ist sicher auch sehr unterschiedlich (1. bis 3. Quartal 2018 bei mir alleine rund € 800,-... aber nehmen wir meinetwegen nur 500,- für die ganzen 20 Monate an). Mindestens vor und nach der Gesundenuntersuchung braucht man eine chiropraktische Behandlung oder ähnliches für den Hund, weil durch das Spreizen beim Röntgen immer Spannungen entstehen, es soll sogar Verrückte wie mich geben, die dem Hund das auch in der Aufzucht gelegentlich angedeihen lassen. 4 Sitzungen (340,-). Theoretisch müsste ich die Liste ergänzen mit Anwaltskosten um Verträge zu prüfen/zu schreiben, Fremdleistungen bei eigener Krankheit oä (wenn man selber mal zB einen Hundesitter braucht), Werbekosten, Hundesteuer... naja, lassen wir das...

= € 4.496,-

 

Abzgl. Monatlicher MINDESTbeitrag Gewerbliche Sozialversicherung € 170,- weil ich mal davon ausgehe, dass man mit knapp Viertausend Euro nicht 20 Monate leben kann, demnach noch zusätzliches Geld verdient hat und somit über die Grenze laut GSVG kommt.

= € 1.096,-

 

Abzgl. 25% Mindeststeuersatz 

= € 822,-

 

Das macht einen Reingewinn, den tatsächlichen Lohn pro Tag iHv € 1,37. Pro TAG... nicht etwa pro Stunde ;).

Wenn man unter der Grenze für die Umsatzsteuerpflicht bleiben kann, also das wirklich mehr als Hobby denn als Beruf macht, dann bleiben bei selbiger Kalkulation € 5,54 pro Tag. Naja, fast… die Nachbetreuung, jährliche Qualitätskontrollen… sind in den Preis nämlich meist auch noch inbegriffen. Aber selbst das ist ein lächerlicher Betrag.

 

VORAUSGESETZT dass nie ein Hund warum auch immer wie oben beschrieben ausfällt, denn da halbiert sich diese Zahl mal eben. Und vorausgesetzt, dass man mit den in der Rechnung berücksichtigten Kosten überhaupt auskommt ;).

 

Aber wir wollen mal nicht so sein, wir Assistenzhundetrainer machen unseren Job ja gerne. Ich liebe es die kleinen Hunde auf ihrem Weg zu begleiten, ich hab darin meine Berufung gefunden, aber Preisdebatten auf Kosten der Trainer ärgern mich einfach. 

 

Jetzt bitte mal nach den nähesten 3 Hundepensionen googeln, und schauen was man da so am Tag OHNE Training, OHNE Futter, OHNE Familienanschluss UND OHNE ZU TRAGENDES RISIKO SEITENS DER HUNDEPENSION bezahlen würde!

 

In der Hoffnung, dass der ein oder andere mal drüber nachdenkt, bevor er über unsere Preise schimpft. Und an dieser Stelle ein großes Dankeschön an Spender und Sponsoren, die zumeist einen großen Teil der Kosten tragen und unsere Arbeit damit erst möglich machen.